KUNST: MARTIN GREMSE – BORN BY ERASE

Manchmal entstehen Dinge, wenn man sie entfernt. Klingt widersprüchlich? Genau, das ist Kunst. Und zwar die Kunst von Martin Gremse –  der es schafft auf der Suche nach dem Nichts einen Ursprung zu finden …

Berlin, Kreuzberg. Seit Martin Gremse schon in sämtlichen Städten, Ländern und Kontinenten seine Kunst auf Messen, in Galerien und Ausstellungen präsentiert hat, ist er zurück. Die staubige Hauptstadt präsentiert sich im Rahmen der Gallery Week 2019 und erstrahlt dank ihm wieder in silbernem Glanz.

Haptische Lichtmalerei

In seiner aktuellen Solo Ausstellung ‚Born by erase‘ zeigt der junge Künstler großflächige Ionen Malerei und Skulpturen. Ionen Malerei? Ja, das klingt genau so anspruchsvoll wie es ist, denn Gremse hat eine einzigartige Technik entwickelt die es ihm (und keinem anderen) erlaubt mit Silber zu malen. Wie man sich vorstellen kann, geht es dabei heiß her, denn um das Edelmetall in einen flüssigen Zustand zu bekommen bedarf es an Chemie- und Mechanikkenntnissen. Diese hat er zuweilen durch sein Studium in der Humanmedizin erlangt. Seine funkelnde Erfindung erklärt er anhand seiner künstlerischen Vergangenheit: 

„Auf die Idee gekommen mit Silber zu arbeiten bin ich während meines Medizinstudiums. Es ist sozusagen die Weiterentwicklung der künstlerischen Erfahrungen, die ich beim Siebdruck gesammelt habe. Dabei habe ich mit keramischen Farben auf Stahl gemalt und mit Schwarz-Weiß Fotografien die Motive bestimmt. Weil Silber das Material mit der höchsten Lichtreflexion habe ich angefangen damit zu experimentieren und zu malen. So ist es mir gelungen die Lichtmalerei aus der Fotografie mit haptischer Malerei zu verbinden.“ 

Kunst als Löschung des Nichts?

Als wäre die Herstellung dieser Kunstwerke nicht komplex genug, auch der Dialog, den die Formen anbieten führt zu einer fast tautologischen Selbstbestätigung der Werke. Wie der Name der Ausstellung schon anmuten lässt, geht es hier um die Geburt durch Löschung. Übersetzt klingt das weniger eingängig als „Born to erase“, ist aber genau das was Martin Gremse ausdrücken will. Auf der ewigen Suche nach dem Nichts, der vollständigen Reduktion und Auflösung, erschafft er visuelle Konzepte, etwas Neues, Materie, die in ewiger Repetition und Monotonie ihre Oberfläche durch Spiegelungen aufgelöst und Spannung durch Imperfektion, Brüche, Zeit und Oxidation erzeugt. 

Seine Gemälde fangen den Betrachter ein und indem er sich ihn den Werken spiegelt, wird er ein Teil der Kunst. Man verschwimmt mit den Objekten, reflektiert sich selbst und ganz plötzlich, nur durch das einfache Hinsehen, ist das Kunstwerk in jeder Sekunde neu, anders und einzigartig. 

Silberrausch

Wird Malerei mit etwas wertvollem überzogen, sei es nun wertvolles Material wie Silber oder wertvoller Kontext, ist sie dadurch wertvoller? Eine berechtigte Fragestellung, deren Antwort sich auch in der Historie der abendländischen Malerei finden lässt. Denn im Mittelalter wurde der Wert eines Bildes grundsätzlich an den verwendeten Materialien berechnet. Umso mehr Gold, wertvolles blau oder violett enthalten sind, desto teurer kann es verkauft werden. Der Wert eines Bildes war weniger symbolisch als heute wo selbst recycelter Müll als Kunst verkauft werden kann, wenn eine ideelle Message dahinter steckt. Die Werke von Martin Gremse geben sich dem Silberrausch hin, der interessanter Weise in seiner Heimatstadt Goslar zu Zeiten des 18. und 19. Jahrhunderts herrschte. In den Bergwerken der Region wurde das Edelmetall nämlich abgebaut.

Kristallklar, wie ein wacher Geist

Inzwischen hat der junge Künstler sein Portfolio allerdings auch durch filigrane Skulpturen ergänzt, die er ruach (hebräisch für Geist, Atem) nennt. Die gläsernen Figuren stellen den Beginn eines neuen Werkzyklus da. Die Grundform einer Vogelfeder, gespiegelt und in Glas geschnitten, biegt Gremse in seinem Atelier in einem Ofen in händisch geformte Körper.

Mit einer Energie von 200 Ampere macht er die Skulpturen lebendig und verleiht ihnen eine Seele, indem er die kristalline Präzision und Exaktheit auflöst. Wenn man um die bis zu 2 Meter hohen Objekte herum schleicht, kann man den Geist spüren, der den Ruach Skulpturen innewohnt. 

Die Ausstellung „Born by erase“ ist bis zum 11.10.2019 nur noch in Form privater Führungen zu besichtigen. Kontaktiert bei Interesse bitte info@office-kreuzberg.de 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.